MONA* —die AusprobierBar

Das Wohnzimmer der Nachbarschaft: Ein Treffpunkt für das Viertel

Ina Hünicke und Andreas Ullrich in ihrem Nachbarschaftswohnzimmer.

Was passiert, wenn aus einer Vision ein echter Begegnungsort wird? Im Krefelder Samtweberviertel ist genau dieser entstanden: MONA* – die AusprobierBar. Ein einladender Quartiertreff, in dem Angebote stattfinden, die Freude machen und Menschen miteinander verbinden. Weil es für dieses Konzept keine Vorlage gab, mussten Gründerin Ina Hünicke und Gründer Andreas Ullrich selbst eine Bezeichnung finden und entschieden sich für das „Jugendzentrum für Erwachsene“.

Ein Haus mit offenen Türen, ein Raum für Begegnung und Austausch – das zeichnet ein Jugendzentrum aus. Genau dieses Prinzip übertragen Ina Hünicke und Andreas Ullrich auf Erwachsene. Ihr Ziel war es, einen Ort zu schaffen, der unabhängig von Themen, Problemlagen oder Zielgruppen funktioniert. „Man kennt Angebote für Seniorinnen und Senioren, für Menschen mit Suchterkrankungen oder auch Beratungsstellen unterschiedlichster Art“, sagt Ina. „Wir wollten jedoch etwas anbieten, das einfach für alle im Viertel da ist.“

Ob auf ein Getränk, einen kleinen Snack oder auch einfach so: In der AusprobierBar ist jeder herzlich willkommen.

Ina ist Sozialpädagogin, kennt das Viertel aus der Arbeit mit Geflüchteten und arbeitet jetzt beim Paritätischen, Andreas ist Coach, Mediator und Berater und war viele Jahre als Pastor tätig. Kennengelernt haben sich die beiden über die Geflüchtetenhilfe. Heute sind sie ein Paar – und teilen die Vision eines offenen, solidarischen Ortes. Auslöser für das Projekt war unter anderem das negativ behaftete Image des Samtweberviertels, in dem Andreas Ullrich seit über zehn Jahren aktiv ist. „Viele schauen durch eine eher pessimistische Brille“, erklärt er.

Mit der MONA* wollen die beiden ein anderes Narrativ sichtbar machen: eines von Vielfalt, Zusammenhalt und gelebter Nachbarschaft. Die Räumlichkeiten der MONA* befinden sich im Erdgeschoss eines Altbaus an der belebten Kreuzung Südstraße/Tannenstraße. Von außen wirken die ehemaligen Geschäftsräume fast wie eine Wohnung: gemütliche Sitzecken, Regale voller Spiele, eine kleine Küche und bunte Kunst an den Wänden. „Wenn man vorbeiläuft, könnte man denken: Das sind Privaträume“, so Ina und fügt hinzu: „Das sind sie ja auch,aber sie können auch privat für andere sein.“ Denn im Mittelpunkt der MONA* steht die Begegnung – und die entsteht hier oft ganz unerwartet. „Viele unserer Besucherinnen und Besucher wären sich im Alltag wahrscheinlich nie begegnet“, erzählt Andreas Ullrich.

Seit der Eröffnung im Oktober 2024 wurde die MONA* bereits rund 2.000-mal besucht. Zu den Öffnungszeiten montags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr kommen meist acht bis zwölf Menschen. „Es geht uns nicht um die Quantität der Besuchenden“, betont Andreas Ullrich, „sondern um die Qualität der Begegnungen und Gespräche.“ Diese entstehen auf unterschiedlichste Weise, etwa beim gemeinsamen Kochen, Spielen oder Singen.

Zusätzlich zu den regelmäßigen Öffnungszeiten gibt es die liebevoll genannten „Sonderangebote“ – darunter etwa die KostBar, gemeinsames veganes Kochen, oder die SichtBar, bei der Künstlerinnen und Künstler ihre Werke in der MONA* ausstellen können. Welche Angebote stattfinden, planen die beiden von Monat zu Monat und verschicken die Informationen per Newsletter an Interessierte.

Auch vor der Tür zeigt sich, wie das Konzept wirkt. Ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen auf dem Bürgersteig wird in den warmen Monaten spontan für Gespräche und Begegnungen genutzt. Statt Vandalismus erleben Ina und Andreas etwas ganz anderes: Menschen bringen Dinge vorbei, schenken Pflanzen und unterstützen das Projekt. „Wir sind oft überwältigt“, sagt Ina. Besonders berührt hat sie die Unterstützung des Krefelder Künstlers Frät: „Er hat Illustrationen zu unseren Sonderangeboten gestaltet, daraus Postkarten drucken lassen und sie uns geschenkt – der Erlös geht als Spende an die MONA*.“

Die Postkarten gestaltete ein Künstler – und schenkte sie den beiden Gründern.

Finanziert wird der Ort größtenteils über Spenden von Einzelpersonen, Firmen und Besuchenden an den Verein FUNAMBULUS, dem die MONA* angegliedert ist. Für Kochzutaten, Snacks und Getränke spendet jede Person, was für sie möglich ist. Eine Spendenbox an der Tür ersetzt feste Preise. Wer mehr geben kann, zahlt für andere mit. Dennoch tragen Ina und Andreas derzeit etwa ein Viertel der Kosten selbst: „Dafür haben wir einige Abos gekündigt, um uns das leisten zu können“. Ihr Engagement ist ehrenamtlich und von Überzeugung getragen. Für beide ist die MONA* ein zeitintensives, von Herzen kommendes Projekt. Die Spenden ermöglichen es ihnen, das Angebot ungebunden und inhaltlich frei umzusetzen.

„Kein Quartier für Rassismus“ ist im Fenster zu lesen. Auch daran arbeiten sie. An einer Haltung, die auch die eigenen Rassismen reflektiert. Gerade in einer politisch herausfordernden Zeit, in der sich viele Menschen eher zurückziehen möchten, verstehen sie die MONA* als „Wirksamkeit im Kleinen“ – als Ort, der zeigt, dass Gemeinschaft möglich ist, jenseits von Kategorien. Gemeinsam bringen sie ihr Anliegen auf den Punkt: „Wir wollten einen Ort schaffen, der zeigt, dass Welt auch anders gehen kann.“

MONA* – die AusprobierBar
Südstraße 28
47798 Krefeld
Kontakt und Newsletter: mona.ausprobierbar@gmail.com

Fotos: Felix Burandt
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